Freitag, 3. September 2010

2. Eintrag

Indien

Ankunft
So, nach langer Zeit, hab ich nun endlich etwas Zeit gefunden, mich zu melden.
Zuerst: mir geht es sehr gut. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich nach Indien gegangen bin und hier ein Jahr verbringen kann. Es wir mir immer deutlicher, dass dieses Jahr ein sehr prägendes Jahr für mich wird, so lerne ich ein andere Mentalität kennen, andere Verhältnisse und völlig andere Art zu leben.

Doch beginne ich von Anfang an.
Ich steig also in den Flieger, Flug 786, Richtung Pune, Private Air. Ziemlich kleiner Flieger, aber super Flug.
Ich steig nach etwa 7,5 Stunden aus dem Flieger, Ortszeit ca. 4 Uhr nachts, es regnet draußen, der Monsun hält was er verspricht.
Checkt out, ich bin der letzte und die indischen Bürokraten, lassen ihre volle Macht spielen: das Passbild stimme nicht mit dem Schwarzlicht Bild überein. Na super, halbe Stunde später durch das Labyrinth der indischen Flughafen-Behörden endlich der ersehnte Stempel im Reisepass! Ich bedanke mich noch mal für das angenehme Willkommenheißen und passiere den Check-Out.
Völlig entnervt und müde steige ich in das Taxi, was uns zur Wohnung fahren soll. Anfangs war ich müde, die Fahrt aber lies in mir pures Adrenalin entflammen. Espresso plus Red-Bull ist nichts dagegen: Der Taxi-Fahrer verfährt sich, wendet auf der Gegenspur, Autos kommen entgegen, wir sind Geisterfahrer, Fernlicht ist wohl Standart, hindurch, durch kleinste Gassen und entgegenkommenden Autos, mit einem Abstand von geschätzten 10cm, in Wirklichkeit waren es vielleicht 5. Mann!
Während ich so diese Zeilen schreibe, muss ich lachen, weil mittlerweile hab ich mich an so was schon längst gewöhnt. Nebenbei: wer keine Hupe hat, hat verloren. Ich bedanke mich an der Stelle an den, der mir Ovopax empfohlen hat.

Die Wohnung ist im Koregaon Park, einer reichen Wohngegend, wie man sagte. Ich wollte das erst nicht glauben, doch ja! Es ist verdammt sauber hier, hat man erstmal die wahren Viertel von Pune gesehen.
Zurück zur Wohnung: sie ist super, sehr groß, gut geschnitten, Kühlschrank und Wasserfilter dabei, also kann ich die Kohletabletten erstmal beiseite räumen. Dazu kommt, das mein Zimmer einen kleinen Wintergarten hat, mit Dusche, von der man aus direkt auf die Straße und die 20 Meter hohe Palme gucken kann. Daher ist die dusche am morgen schon ein wahres Erlebnis und der Tag beginnt angenehm.
Nach langer Reinigungsaktion, einem drei Tage Seminar mit Monika und Corinna, unserer Betreuerin vor Ort, super Chai-Tee's, und super leckerem, doch scharfen Essen, gemütlicher, landestypischer Hose, hab ich mich schon an das ein oder andere gewöhnt, sei es mit den Händen Essen, Strasse kreuzen, Verhandeln oder die ewigen Diskussionen mit Rikscha-Fahrern. Ja, man kann sogar sagen, ein Stück weit eingelebt, zumindest hier im Viertel.
Gegenüber von uns ist ein Internet-Cafe (5qm² groß, mit 5 Computern und 10 Leuten darin), welches hier Haupttreffpunkt für so manche Leute ist, so auch Gurauv, ein 21-Jähriger Inder, der sehr gut deutsch sprechen kann. Wir verbringen mit ihm viel Zeit, weil er uns eine Menge zeigen kann und er sich freut mich deutschen sich unterhalten zu können. Er hat wohl auch viel mit den anderen Freiwilligen gemacht und lädt uns gern zu sich zum Bier ein. So kann es schon mal vorkommen, dass man über die Strasse läuft, man von irgendwoher "Poldi" hört, man sich umdreht und einen Chai-Tee in die Hand gedrückt bekommt.

Die Luftfeuchtigkeit und der teilweiße heftige Regen macht einen echt zu schaffen und so haben wir viel damit verbracht, zu schlafen, was teilweiße schwer war, weil die anderen aus der Gruppe liebend gerne bei uns sind, weil wir wohl echt die schickste Wohnung von allen haben.

Heute ging es dann los: nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und Erkundung hiesiger Umgebung, war heute unsere Vorstellung in der Blindenschule.
Was ein Fest, wir kommen an, 5 Frauen gehen rum, streicht jedem mit Magenta-Roter Farbe einen Strich auf die Stirn, eine Art Honigwachs auf die Hand und hängt einem Blumenkranz um den Hals.
Danach singen die blinden Kinder uns landestypische Lieder vor, die Direktorin, der Co-Direktor und weitere Schulinterne Persönlichkeiten halten Reden. Es gibt: Chai-Tee. Yes!
Danach Schulbesichtigung, ein riesiges Gelände mitten im teuersten Viertel der Stadt, lassen dann doch die Gebäude hier und da zu wünschen übrig. Wie gesagt, man darf keine deutschen Standart beherzigen und über Schimmel an der Decke in manchen Räumen und dem abbröckelnden Putz an den Wänden übersehen. Die Kids fühlen sich wohl und freuen sich wahnsinnig, dass wir da sind. So konnten wir teilweiße einfach nicht mehr weiter gehen bei der Schulbesichtigung, weil 1,30 Meter große indische, blinde Kids uns umringt hatten und uns nach unserem Namen fragten und uns befühlt und berochen haben. Ich sag euch: das war so herzliches Gefühl! Die Kids sind total froh, dass neue Leute aus Deutschland kommen, um mit ihnen die Zeit zu verbringen.

Wir haben jetzt erstmal etwas Zeit, um uns einzuleben, in Indien macht man alles etwas langsamer und bloß nicht zu hastig. Der persönliche Kontakt steht im Vordergrund, anstatt, dass der Freiwillige als zusätzliche Arbeitskraft fungiert.
Wir werden regelmäßig eingeladen von Vermieter und Menschen, die wir so im Laufe der Zeit kennen gelernt haben, auf einen Chai vorbeizukommen und das Angebot nehmen wir auch gern wahr. So kommt z.B. am Samstag Birti, der mit uns unbedingt meditieren will. Gern!

Übrigens: wer mich anrufen möchte und das nötige Geld auf dem Handy hat, der kann sich gern bei mir telefonisch melden: +91 9561878112
Aber bitte bedenkt, die Zeitverschiebung, also nicht nachts um 11 anrufen, dann ist es bei mir gerade halb 3 nachts.

Liebe Grüße aus Indien!

Poldi


P.S.: Thomas, ich werde deine Eltern finden!

3 Kommentare:

  1. hey poldi. das klingt ja alles super interessant! schön mal etwas mehr von dir zu hören.. lass es dir gut weiterhin gut gehen, auf das noch viele positive erfahrungen & erlebnisse folgen werden! die besten wünsche und gruesse von milla!

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  2. Hallo Poldi,ich habe Papa gerade Deinen neusten Bericht vorgelesen.Er ist sehr fro darüber,das Du es so gut getroffen hast und Dich so gut eingewöhntst.Alles hört sich sehr gut an.Ich druck Deine Berichte fleissig aus und schick sie nach Kassel.Schönen Groß auch von Irene und sie arbeitet daran,das sich die beiden ein Laptop anschaffen.Von Kassel aus gibt es nichts neues.Er läßt Dich herzlich Grüssen.Und von mir auch weiterhin alles Gute.ich freu mich auf weitere Berichte.Anja

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  3. Langsam wird mir klar, dass ich adoptiert wurde. Hab ich mir doch all die Jahre etwas vorgemacht...
    Grüße^^

    PS: Ach ja nochmal alles Gute nachträglich.

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