2. Bericht
Mittlerweile lebt es sich hier schon recht gut, wir nennen unsere Wohnung "Zuhause", die Leute unsere "Freunde", die Gegend unser "Viertel".
Ich habe das Gefühl, die Inder feiern liebend gern, denn wir haben hier schon 3 Feste miterlebt.
Eines bei dem ein Tonkrug, draußen, in etwa 5 Metern Höhe gespannt ist und mit Kokosmilch und Geldmünzen befüllt ist. Nun muss man eine Menschenpyramide bauen, bis einer an den Tonkrug kommt und diesen dann mit einem Stein aufschlägt und der ganze Inhalt sich über die versammelte Meute ergießt. Das man dabei voll mit Kokosmilch ist, macht auch nichts mehr aus, da vorher schon der Hausmeister einen Schlauch geholt hat, um damit die Leute nass zu spritzen.
Sehr lustiges Unterfangen mit den blinden Kids, aber nach einigen Anläufen hat es dann doch geklappt. Und wir standen, nach einiger anfänglicher Schüchternheit, auf einmal mittendrin. Ohrenbetäubender Lärm schallt her von den Jungs die die Trommeln haben und nach dem Zerbrechen des Kruges wird getanzt was das Zeug hält, die Kids, für die Hören das wichtigste Sinnesorgan ist, tanzen teilweise ekstatisch zu den einschlagenden Beats.
Es hat tierisch Spaß gemacht, an diesem Fest teilzuhaben und es hat auch das Eis der Schüchternheit gebrochen.
Samstag und Sonntag (4.-5. September) haben wir um frei gebeten (normalerweise ist das Wochenende auf Montag und Dienstag verlegt), weil nach einer Woche Eindrücke, Erlebnisse und Action ist einfach der Körper und Kopf bereit für eine Auszeit. Das war okay und ich hab auch prompt die beiden Tage jeweils 12 Stunden durchgeschlafen.
An diesem Wochenende hat uns auch der Mietagent der Mädchen uns eingeladen auf eine Pool-Party. Anfangs haben wir sehr genossen, zu tanzen und im Pool zu schwimmen, machten aber uns auch klar, dass dies hier absolut protzig ist. Typisch für die Reichen in Indien: man zeigt was man hat.
Es war ein komisches Gefühl. Weil wir auf dieser Feier waren, einfach aus dem Grund, dass wir Europäer sind.
Europäer sein, heißt hier, reich sein. Obwohl hier der Prozent an Weißen unter 0,5 Prozent fällt, sieht man dennoch auf fast jedem Plakat Weiße, die für die Produkte werben.
Der ewige Papierkram kommt momentan noch hinzu, es ist alles sehr kompliziert mit dem Visum. Also alle an die Startposition für das Behördenrennen: auf die Plätze, fertig, los!
Aber das sind nur die Kleinigkeiten die momentan noch im Weg stehen, die Zukunft sieht super aus, so sind z.B. im November Ferien, namens "Divali". Gauruv hat uns eingeladen, mit ihm nach Goa zu gehen für einige Tage. Den Zug dazu buchen wir die Tage und wieder ist der Preis komisch, kostet umgerechnet 10€ für 12 Stunden Fahrt, als Gegenbeispiel kosten 2 Erdnussbuttergläser etwa 8€. Darüber hinaus werde ich vermutlich im Frühjahr nach Darjeeling fahren, den feinsten Tee trinken, den es gibt und dann wieder zurückfahren.
Außerdem werden unsere Pläne was die Schule anbetrifft immer konkreter. Neben einer Brieffreundschaft mit einer deutschen Schule und einem Klettergerüst für das Baumhaus, dann ein Fußballfeld und einem Rohr-Telefon, mit dem man über einer Strecke von 20 Metern "telefonieren" kann.
Es steht also schon jede Menge an, aber mal sehen, was sich so ergibt. "Don't think about the future, just relax.", wie Biti sagt.
Die Kids sind super weiterhin, mittlerweile kann man schon unter "Sodum", "Sadesh", "Radish", "Kultipak" etc. unterscheiden. Jedoch ich muss zugeben, es ist schon sehr anstrengend, in dieser schwüle, sich aufzurappeln und sich ums Spielen zu begeistern. Es ist wirklich nun eine völlig andere Temperatur als in Deutschland und nicht zu vergleichen mit Sommer- oder Herbst-Schwüle.
Obwohl wir den Nationalsport "Cricket" noch nicht ganz verstanden haben und die Erklärungen der Kids auch etwas ungenau waren, haben wir zumindest verstanden: einer Wirft den Rasselball, der andere schlägt mit dem Cricketschläger und alle anderen rennen dem Ball hinterher. Was teilweise echt schwierig ist, weil das Gras knapp einen halben Meter hoch ist. Komischerweise finden die Kids den Ball jedoch schneller als ich, "the tall guy", wie ich freundlich genannt werde.
10. September: mein Geburtstag.
Ich wache auf, meine Mitbewohner wecken mich liebevoll mit einer Konfettirakete, der Goldstaub der da raus kam, sollte noch 4 Tage danach in der Wohnung zu finden sein.
Sie haben mir Geschenke gemacht: 3 Farbeimer (Rot, Blau, Grün), 3 Pinsel.
Das Wohnzimmer abgedeckt: Vollgas. Innerhalb einer halben Stunde, wurde eine Wand des Zimmers gekonnt verunstaltet. Aber es hat Spaß gemacht.
Die Farbe noch unter den Fingernägeln gehen wir danach zur Blindenschule und Shakehands ist angesagt.
Nach der Arbeit kehren wir nach Hause, ich bin fix und fertig. Bestelle 10 Burger bei "Buddhas Paradise" für knapp 4 Euro für die Feier abends.
Es ist acht Uhr abends und es klingelt: die anderen Freiwilligen stehen vor der Tür und singen ein Ständchen.
Nach dem die Burger vertilgt waren auf zur Blindenschule, dort soll eine Überraschung auf mich warten. Was kommt, hätte ich mir jedoch nicht vorstellen können:
Alle Kids versammelt im Musikraum, ein Stuhl, ein Tisch, ein grauer Karton darauf.
Nachdem Garaul (eines der Kids) eine Rede gehalten hat singen alle im Chor "Happy Birthday". Es war eine so herzliche Atmosphäre wie ich sie selten erlebt habe.
Behutsam öffnet Gujanen (einer der Betreuer) den Karton: eine Zuckertorte mit Sahne. Behutsam schneidet er ein kleines Stück ab, nimmt es, holt aus und mit lauten Gelächter finde ich das Stück auf Stirn und Backe wider. Rache ist Süß und so beginnt eine Kuchenschlacht. Zwischendurch füttert mich Gujanen mit Kuchen, während ich mit den beiden freien Händen weitere Geburtstagswünsche entgegennehme. Das ist gar nicht so leicht, wenn man währenddessen noch von den Kids hochgehoben wird, für ein 3-mal "er-lebe-hoch". Es war ein Spaß, kann ich euch sagen!
Am 12. September haben die Ganesha-Feiertage angefangen. Ganesha, der Elefantenmensch, für Glück und Freude. Wir wohnen der Zeremonie bei in der Schule und werden auch eingebunden, so wird uns feierlich ein roter Strich auf die Stirn gemalt, danach reibt man seine Hände über ein kleines Feuer und reibt sich danach mit den Händen durch die Haare. Zum Abschluss gibt es noch Süßigkeiten, dann geht die Feier los: die Kids nehmen die Trommeln und legen lautstark los. Dazu wird getanzt und jeder macht mit, ob Erstklässler, Englisch-Lehrer oder Hausmeister.
Das Wochenende war super, ich war mit Munna unterwegs und hab mit ihm Pune erkundet und wir haben 2 Stunden im Cafe gesessen und uns unterhalten, was sehr angenehm war.
Am nächste Tag rief er mich an und sagt, dass er einen Roller für uns hat, von seinem Vater, der nicht da ist und wir dürfen diesen benutzen. Das ist ganz praktisch für so kleinere Besorgungen und fürs Einkaufen. Aber wirklich weite Strecken sind wir noch nicht gefahren, weil wir uns erst mal dran gewöhnen müssen.
Ansonsten habe ich mir heute einen Bass gekauft, kam nach Hause, hab mich intensiv mit dem Computer auseinander gesetzt und siehe da: wir haben nun endlich Internet in den heimischen 4 Wänden. Yes.
Ich hoffe ich kann nun regelmäßiger einen Post schreiben.
Mittlerweile lebt es sich hier schon recht gut, wir nennen unsere Wohnung "Zuhause", die Leute unsere "Freunde", die Gegend unser "Viertel".
Ich habe das Gefühl, die Inder feiern liebend gern, denn wir haben hier schon 3 Feste miterlebt.
Eines bei dem ein Tonkrug, draußen, in etwa 5 Metern Höhe gespannt ist und mit Kokosmilch und Geldmünzen befüllt ist. Nun muss man eine Menschenpyramide bauen, bis einer an den Tonkrug kommt und diesen dann mit einem Stein aufschlägt und der ganze Inhalt sich über die versammelte Meute ergießt. Das man dabei voll mit Kokosmilch ist, macht auch nichts mehr aus, da vorher schon der Hausmeister einen Schlauch geholt hat, um damit die Leute nass zu spritzen.
Sehr lustiges Unterfangen mit den blinden Kids, aber nach einigen Anläufen hat es dann doch geklappt. Und wir standen, nach einiger anfänglicher Schüchternheit, auf einmal mittendrin. Ohrenbetäubender Lärm schallt her von den Jungs die die Trommeln haben und nach dem Zerbrechen des Kruges wird getanzt was das Zeug hält, die Kids, für die Hören das wichtigste Sinnesorgan ist, tanzen teilweise ekstatisch zu den einschlagenden Beats.
Es hat tierisch Spaß gemacht, an diesem Fest teilzuhaben und es hat auch das Eis der Schüchternheit gebrochen.
Samstag und Sonntag (4.-5. September) haben wir um frei gebeten (normalerweise ist das Wochenende auf Montag und Dienstag verlegt), weil nach einer Woche Eindrücke, Erlebnisse und Action ist einfach der Körper und Kopf bereit für eine Auszeit. Das war okay und ich hab auch prompt die beiden Tage jeweils 12 Stunden durchgeschlafen.
An diesem Wochenende hat uns auch der Mietagent der Mädchen uns eingeladen auf eine Pool-Party. Anfangs haben wir sehr genossen, zu tanzen und im Pool zu schwimmen, machten aber uns auch klar, dass dies hier absolut protzig ist. Typisch für die Reichen in Indien: man zeigt was man hat.
Es war ein komisches Gefühl. Weil wir auf dieser Feier waren, einfach aus dem Grund, dass wir Europäer sind.
Europäer sein, heißt hier, reich sein. Obwohl hier der Prozent an Weißen unter 0,5 Prozent fällt, sieht man dennoch auf fast jedem Plakat Weiße, die für die Produkte werben.
Der ewige Papierkram kommt momentan noch hinzu, es ist alles sehr kompliziert mit dem Visum. Also alle an die Startposition für das Behördenrennen: auf die Plätze, fertig, los!
Aber das sind nur die Kleinigkeiten die momentan noch im Weg stehen, die Zukunft sieht super aus, so sind z.B. im November Ferien, namens "Divali". Gauruv hat uns eingeladen, mit ihm nach Goa zu gehen für einige Tage. Den Zug dazu buchen wir die Tage und wieder ist der Preis komisch, kostet umgerechnet 10€ für 12 Stunden Fahrt, als Gegenbeispiel kosten 2 Erdnussbuttergläser etwa 8€. Darüber hinaus werde ich vermutlich im Frühjahr nach Darjeeling fahren, den feinsten Tee trinken, den es gibt und dann wieder zurückfahren.
Außerdem werden unsere Pläne was die Schule anbetrifft immer konkreter. Neben einer Brieffreundschaft mit einer deutschen Schule und einem Klettergerüst für das Baumhaus, dann ein Fußballfeld und einem Rohr-Telefon, mit dem man über einer Strecke von 20 Metern "telefonieren" kann.
Es steht also schon jede Menge an, aber mal sehen, was sich so ergibt. "Don't think about the future, just relax.", wie Biti sagt.
Die Kids sind super weiterhin, mittlerweile kann man schon unter "Sodum", "Sadesh", "Radish", "Kultipak" etc. unterscheiden. Jedoch ich muss zugeben, es ist schon sehr anstrengend, in dieser schwüle, sich aufzurappeln und sich ums Spielen zu begeistern. Es ist wirklich nun eine völlig andere Temperatur als in Deutschland und nicht zu vergleichen mit Sommer- oder Herbst-Schwüle.
Obwohl wir den Nationalsport "Cricket" noch nicht ganz verstanden haben und die Erklärungen der Kids auch etwas ungenau waren, haben wir zumindest verstanden: einer Wirft den Rasselball, der andere schlägt mit dem Cricketschläger und alle anderen rennen dem Ball hinterher. Was teilweise echt schwierig ist, weil das Gras knapp einen halben Meter hoch ist. Komischerweise finden die Kids den Ball jedoch schneller als ich, "the tall guy", wie ich freundlich genannt werde.
10. September: mein Geburtstag.
Ich wache auf, meine Mitbewohner wecken mich liebevoll mit einer Konfettirakete, der Goldstaub der da raus kam, sollte noch 4 Tage danach in der Wohnung zu finden sein.
Sie haben mir Geschenke gemacht: 3 Farbeimer (Rot, Blau, Grün), 3 Pinsel.
Das Wohnzimmer abgedeckt: Vollgas. Innerhalb einer halben Stunde, wurde eine Wand des Zimmers gekonnt verunstaltet. Aber es hat Spaß gemacht.
Die Farbe noch unter den Fingernägeln gehen wir danach zur Blindenschule und Shakehands ist angesagt.
Nach der Arbeit kehren wir nach Hause, ich bin fix und fertig. Bestelle 10 Burger bei "Buddhas Paradise" für knapp 4 Euro für die Feier abends.
Es ist acht Uhr abends und es klingelt: die anderen Freiwilligen stehen vor der Tür und singen ein Ständchen.
Nach dem die Burger vertilgt waren auf zur Blindenschule, dort soll eine Überraschung auf mich warten. Was kommt, hätte ich mir jedoch nicht vorstellen können:
Alle Kids versammelt im Musikraum, ein Stuhl, ein Tisch, ein grauer Karton darauf.
Nachdem Garaul (eines der Kids) eine Rede gehalten hat singen alle im Chor "Happy Birthday". Es war eine so herzliche Atmosphäre wie ich sie selten erlebt habe.
Behutsam öffnet Gujanen (einer der Betreuer) den Karton: eine Zuckertorte mit Sahne. Behutsam schneidet er ein kleines Stück ab, nimmt es, holt aus und mit lauten Gelächter finde ich das Stück auf Stirn und Backe wider. Rache ist Süß und so beginnt eine Kuchenschlacht. Zwischendurch füttert mich Gujanen mit Kuchen, während ich mit den beiden freien Händen weitere Geburtstagswünsche entgegennehme. Das ist gar nicht so leicht, wenn man währenddessen noch von den Kids hochgehoben wird, für ein 3-mal "er-lebe-hoch". Es war ein Spaß, kann ich euch sagen!
Am 12. September haben die Ganesha-Feiertage angefangen. Ganesha, der Elefantenmensch, für Glück und Freude. Wir wohnen der Zeremonie bei in der Schule und werden auch eingebunden, so wird uns feierlich ein roter Strich auf die Stirn gemalt, danach reibt man seine Hände über ein kleines Feuer und reibt sich danach mit den Händen durch die Haare. Zum Abschluss gibt es noch Süßigkeiten, dann geht die Feier los: die Kids nehmen die Trommeln und legen lautstark los. Dazu wird getanzt und jeder macht mit, ob Erstklässler, Englisch-Lehrer oder Hausmeister.
Das Wochenende war super, ich war mit Munna unterwegs und hab mit ihm Pune erkundet und wir haben 2 Stunden im Cafe gesessen und uns unterhalten, was sehr angenehm war.
Am nächste Tag rief er mich an und sagt, dass er einen Roller für uns hat, von seinem Vater, der nicht da ist und wir dürfen diesen benutzen. Das ist ganz praktisch für so kleinere Besorgungen und fürs Einkaufen. Aber wirklich weite Strecken sind wir noch nicht gefahren, weil wir uns erst mal dran gewöhnen müssen.
Ansonsten habe ich mir heute einen Bass gekauft, kam nach Hause, hab mich intensiv mit dem Computer auseinander gesetzt und siehe da: wir haben nun endlich Internet in den heimischen 4 Wänden. Yes.
Ich hoffe ich kann nun regelmäßiger einen Post schreiben.
Hier die Bilder dazu:
Das Ganesha Festival:
super super super, das macht einem ja nur beim mitlesen lebensfreude :) immer weiter schön berichten und gut gehen lassen! liebst, milla.
AntwortenLöschenwie beeindruckend!Weiterhin viel Spaß,Liebe Grüße Anja
AntwortenLöschenWow, da hast du in den ersten Wochen ja schon
AntwortenLöschenganz schön EIndrücke gesammelt. Kommt ja fast
einem Kulturschock nahe.^^
Ach alles Gute nochmal nachträglich.
Grüße Thomas
PS: Grüß meine Eltern